Bildliche und bühnenbildliche Rhetorik für "Anseher" in den illustrierten Flugblättern des 17. Jahrhunderts

Résumé : Ziel des Beitrags ist es, einige optische und rhetorische Hauptmuster für die komplexen und hochdifferenzierten Bild-Wort-Verbunde in den historischen Einblattdrucken des 17. Jahr¬hunderts zu hinterfragen. Zwar mag das Bild allgemein als Kontaktmedium, Verstehens- und Lesehilfe, bzw. als Gedächtnisstütze fungieren, doch können mitunter rein ikonische Flugblätter rätselhafter sein als vorwiegend textierte. Legt man die Gegenüberstellung der attischen und der asianistischen Beredsamkeit zugrunde, so lassen sich die konkurrierenden Funktionen der Enigmatisierung und der Sinnerschließung durch das Bild bzw. den Text erhellen. Dass jedoch die zweitgenannte Spielart der Rhetorik in den zum Massen¬kommunikations¬mittel gewordenen illustrierten Flugblättern überwiegt, ist auf deren vornehmlich repräsentativen und akklamativen Wert im Territorialabsolutismus zurückzuführen. Die Zurschaustellung der Macht rekurriert auf eine theatralische, auf Effekte und Wirksamkeit angelegte Bild- und Textgestaltung, in der alle gängigen Spektakelformen dargeboten werden, von der antiken Kampfarena über die Prozessionen, die Festein- und -aufzüge, bis hin zu den diversen überlieferten oder zeitgenössischen Bühnenformen (Simultanbühne, Wanderbühne, etc.). Die den Titelillustrationen analoge ikonographische Entwicklung der Holz- und Metallschnitte geht mit dem Wandel der darunter liegenden bühnenbildlichen Modelle einher, von den aneinander gesetzten mittelalterlichen mansiones bis zu der italienischen Illusionsbühne. Daneben wird auf der Textebene der pathetische, epideiktische Duktus mit den Affekt-Figuren etwa des Dialogismus und der prosopopoeia bevorzugt eingesetzt. Hat die Flugblattforschung bis dahin die rhetorischen Aspekte nur am Rande berücksichtigt oder nur vereinzelte Figuren herausgegriffen - wie die Ethopoiie, die expolitio oder die manieristische Text- und Bildchiffrierung -, soll sich das Referat bemühen, für die Vielfalt der Erscheinungsformen einen bild- und textrhetorischen Nenner zu finden, wobei von zeitgenössischen Rhetorikbüchern, die das gemalte Bild in Betracht ziehen (insbes. Gérard Pelletier und Jakob Masen), und heutigen richtungsweisenden Arbeiten, u. a. von Marc Fumaroli ausgegangen wird.
Type de document :
Article dans une revue
Liste complète des métadonnées

https://hal-unilim.archives-ouvertes.fr/hal-00829832
Contributeur : Florent Gabaude <>
Soumis le : lundi 3 juin 2013 - 21:44:11
Dernière modification le : mardi 17 avril 2018 - 23:26:02

Identifiants

  • HAL Id : hal-00829832, version 1

Collections

Citation

Florent Gabaude. Bildliche und bühnenbildliche Rhetorik für "Anseher" in den illustrierten Flugblättern des 17. Jahrhunderts. Jahrbuch für Internationale Germanistik, Verlag Peter Lang Ag, 2008, Reihe A, vol. 83, pp.41-48. ⟨hal-00829832⟩

Partager

Métriques

Consultations de la notice

185